Extras

Komplementäre Fakten

„Der Mensch besteht in der Wahrheit. Gibt er die Wahrheit preis, gibt er sich selbst preis.“
Novalis (1772-1801), eigentlich Georg Philipp Friedrich Leopold Freiherr von Hardenberg.


Über das Hara

…“denn die Lehre des Hara ist keine bloße Theorie, sondern meint eine existentielle Praxis.
Wer Hara übt, wird unweigerlich den Segen erfahren, der sowohl für die Meisterung des Lebens in der Welt, wie für das Fortschreiten auf dem Weg von der Hara-Praxis ausgeht. Das lebendige Interesse für Hara hängt aber nicht zuletzt mit der Tatsache zusammen, daß der Mensch des Westens sich in unseren Tagen nicht nur in kleinen esoterischen Kreisen, sondern auf breiter Front dem Initiatischen öffnet, d. h. jenem Weg der Selbstverwirklichung, an dessen Anfang, Mitte und Ende Transzendenz als Erfahrung steht. Die Zeit ist reif geworden, daß das Sein, das bislang nur Gegenstand frommen Glaubens oder metaphysischer Spekulation war, weil es alle Wirklichkeit unseres Daseins übersteigt, als Erfahrung vernommen und zum Ausgangspunkt und Sinnzentrum des inneren Weges gemacht wird. Es handelt sich um den Weg, der den Menschen, der seine Wurzeln verlor, als Bewußtseinswesen in seinen ewigen Ursprung heimbringt und zur Erfüllung seiner Bestimmung bereitet, das Sein im Dasein zu offenbaren. In diesem Beginnen hat die Wiederbeheimatung des in die „Fremde“ geratenen Menschen in seine ursprüngliche Mitte seit jeher eine entscheidende Rolle gespielt. Die Lehre und Praxis von Hara, der Erdmitte des Menschen, macht diesen Vorgang bewußt. …

Immer mehr Menschen – sofern sie zeitnah und zukunftsbezogen sind – wenden sich heute meditativen Praktiken zu. Dabei gewinnt die Einsicht immer mehr an Boden, daß Meditation nicht ein sich Abwenden von den Verpflichtungen bedeutet, die wir in der Welt haben, sondern, recht verstanden, den Menschen in jener Mitte versammelt, die ihn vollends befähigt, seiner Bestimmung auf dieser Erde zu genügen. Unzertrennlich davon ist die Erkenntnis, daß es ohne Verwurzelung in den „Erdkräften“ des Lebens keine gesunde Geistigkeit gibt, und daß eine Verfassung, die in gültiger Weise zur Transzendenz hin transparent ist, die Verankerung des Menschen in seiner Erdmitte voraussetzt. Meditative Übungen ohne Hara münden leicht in einer verblasenen Geistigkeit, die in gleicher Weise den Himmel und die Erde verrät.
Es gibt dreierlei Leib-Gewissen: Das erste ist orientiert an der Gesundheit, das zweite an der Schönheit, das dritte aber an der Transparenz, der „Durchlässigkeit“ für das in unserem Wesen anwesende Sein. „Durchlässige Form – Geformte Durchlässigkeit“, die uns befähigt das in unserem Wesen anwesende Sein zu vernehmen und es sichtbar werden zu lassen in der Welt.
Das ist der Sinn von Hara.“
Karlfried Graf Dürckheim (1996): Hara. Die Erdmitte des Menschen. Otto Wilhelm Barth Verlag, 253 Seiten; Vorwort


Was ist der Mensch? (1)

„Das Unendliche erkennen wir durch die Erforschung der Materie, das Ewige erkennen wir durch Erforschung des Bewusstseins, d.h. durch uns, durch Selbsterkenntnis.“
Armin Risi (2015): „Ihr seid Lichtwesen. Ursprung und Geschichte des Menschen.“ Govinda Verlag, 4. Auflage. 398 Seiten (S. 37).


Über das Dao (1)

„Das tao ist ein sanft leuchtendes Meer reinster Leere, ein perlmutt-schimmernder Nebel, grenzenlos und unbefleckt. Geboren aus diesem Meer umwinden sich spielend zwei Drachen (yang und yin) – der männliche, hell wie die Sonne, mit goldenen, feurigen Schuppen, Meister der Aktivität und der weibliche, strahlend wie der Mond, mit silbern glänzenden Schuppen, Meister der Passivität. Ihr Zusammenwirken bringt die Rhythmen zyklischen Wechsels hervor: die Bewegungen der Planeten, das Fortschreiten der Jahreszeiten, den Wechsel von Tag und Nacht. Aus ihrem Spiel entstehen fünf leuchtende Dämpfe (wu hsing), blau, rot und gelb, weiß und schwarz. Schattenwerfend, wirbelnd, ringend und sich vermischend, geben sie dem Firmament seine Wölbung, der Erde ihre vier Seiten, den zehntausend Dingen ihre vergängliche Gestalt. Wie Regen ergießen sich aus dem Himmel die drei wolkengleichen Essenzen (drei Schätze) des yang, wie Nebel erheben sich von der Erde die drei Essenzen des yin, treffen aufeinander und vermischen sich. So ist es, seit Himmel und Erde bestehen. Dies ist die ursprüngliche Vollkommenheit.
John Blofeld: Der Taoismus oder die Suche nach der Unsterblichkeit (S. 43)


Berührende Worte (1)

 

Stufen
„Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht dauern.
Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf´um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen.
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegensenden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!“
                                                          – Hermann Hesse

 

 


Über das Dao (2)

(1)

„Der Weg, von dem wir sprechen können,
ist nicht der ewige Weg;
der Name, den wir nennen können,
ist nicht der ewige Name.
Das Namenlose ist der Anfang
von Himmel und Erde;
das Namentragende ist die Mutter
der zehntausend Dinge.

Wer wunschlos ist,
kann das Wunder des Weges erkennen;
Wer Wünsche hat,
wird nur Scheinbares entdecken.
Diese beiden entspringen der gleichen Quelle,
aber sie tragen verschiedene Namen.
In ihrer Einheit sind sie ein Geheimnis,
ein unendliches Geheimnis –
das Tor aller Wunder.“

Lao Tse, Tao-Te-King
(ins Deutsche übertragen von

Hans Knospe und Odette Brändli)

 

(1) Verkörperung des Sinns

„Der SINN, den man ersinnen kann,
ist nicht der ewige SINN.
Der Name, den man nennen kann,
ist nicht der ewige Name.
Jenseits des Nennbaren liegt der Anfang der Welt.
Diesseits des Nennbaren liegt die Geburt der Geschöpfe.
Darum führt das Streben nach dem Ewig-Jenseitigen
zum Schauen der Kräfte,
das Streben nach dem Ewig-Diesseitigen
zum Schauen der Räumlichkeit.
Beides hat Einen Ursprung und nur verschiedene Namen.
Diese Einheit ist das Große Geheimnis.
Und des Geheimnisses noch tieferes Geheimnis:
Das ist die Pforte der Offenbarwerdung aller Kräfte.“

Laotse, Tao te king
Das Buch des Alten vom Sinn und Leben
(ins Deutsche übertragen von
Richard Wilhelm)