Shiatsu

Was ist Shiatsu?

Shiatsu ist eine eigenständige Methode ganzheitlicher manueller Körperarbeit, die den Menschen auf all seinen Ebenen – körperlich, seelisch und geistig – berührt. Aus dem Japanischen  übersetzt bedeutet Shiatsu „Daumen-“ bzw. „Fingerdruck“(shi = Daumen, Finger; atsu = Druck). Im Shiatsu verbinden sich jahrhundertealte östliche Massageformen mit modernem westlichen Wissen über Anatomie und Physiologie.

Durch Daumen- oder Fingerdruck, manchmal auch durch Druck mittels Handballen, Ellenbogen oder Knie entlang bestimmter Leitbahnen (Meridiane) und Akupressurpunkte (Tsubos), ergänzt durch sanfte Dehnungen und Gelenkrotationen, werden bei den KlientInnen Dysbalancen auf der vitalenergetischen Ebene ausgeglichen und Stagnationen – die sich oft in Form von Schmerzen und Mißbehagen äußern – aufgelöst. Shiatsu leitet selbstregulatorische Prozesse ein, die die Energieströme in den Meridianen harmonisieren, was bei den KlientInnen zu körperlichem und emotionalem Wohlbefinden, Entspannung und Regeneration führt.

Shiatsu ist eingebettet im System der Traditionellen Östlichen Medizin & Philosophie (TCM). Grundlage ist die Vorstellung der Existenz einer allem Lebendigen innewohnenden „Lebensenergie“ (chin.: Qi, jap.: Ki) die entlang bestimmter Leitbahnen, sogenannter Meridiane, in unserem Körper zirkuliert. Gemäß östlichem Denken ist ein freier Fluss dieser Lebensenergie Voraussetzung für körperliches Wohlbefinden und emotionale Ausgeglichenheit und Stabilität. Ki-Mangel oder Ki-Stagnationen können Auslöser verschiedenster körperlicher, emotionaler und mentaler Beeinträchtigungen sein.

Das chinesische Schriftzeichen für Qi ist das Bild vom aufsteigenden Dampf eines auf dem Herd kochenden Reistopfes. Das zusammengesetzte Zeichen Qi wird unter anderem übersetzt mit: „Luft, Gas, Äther, Dunst, Dampf, Atem, Hauch, Lebenskraft, Macht, Einfluss, Geist, Wesen, Gefühl“. Die sehr unterschiedlichen Bedeutungen von Qi zeigen die Komplexität  dieses Begriffs mit einem einerseits feinstofflichen (Jing/Essenz) andererseits energetischen Aspekt (Shen/Bewusstein).

Qi bzw. Ki fließt gemäß östlichen Vorstellungen in 12 Hauptleitbahnen (jeweils einem Organ zugeordnet, z. B. Nierenmeridian)   und 8 Sondermeridianen durch den Körper. Entlang der Meridiane liegen die Akupressurpunkte (Tsubos), über die auf den Ki-Fluss des Menschen eingewirkt werden kann. Dabei steht das Gleichgewicht der beiden polaren Kräfte Yin und Yang und ein harmonisches Zusammenspiel der Fünf Wandlungsphasen – Holz, Erde, Feuer, Metall, Wasser – im Zentrum.

Wirkung von Shiatsu

Die Traditionelle Östliche Philosophie stellt seit jeher die Erhaltung der Gesundheit in den Vordergrund.

Shiatsu ist Gesundheitsförderung.

Während Sie bequem auf einer Matte am Boden liegen oder auf dem Shiatsu-Sessel sitzen, ermöglicht die achtsame und gleichzeitig respektvolle Shiatsu-Berührung tiefe Entspannung und Regeneration. Durch Druck auf Meridiane und Akupressurpunkte werden auf der vitalenergetischen Ebene selbstregulatorische Prozesse angeregt und energetische Dysbalancen (z.B. Fülle/Leere-Muster) in ein Gleichgewicht gebracht. Verspannte Muskulatur kann loslassen und dadurch das Qi in diesen Regionen wieder besser fließen. Die ausgleichende Wirkung von Shiatsu fördert Ihre Entspannung und Regeneration und führt zu gesteigerter Vitalität und Wohlbefinden.

Shiatsu ermöglicht es Ihnen, sich für eine Stunde aus dem Alltagsgetriebe zurückzuziehen, bei sich zu sein und Ihren Körper zu spüren. Sie können durchatmen, den feinen Zusammenhängen zwischen Körper-Seele-Geist lauschen und damit Zugänge zu mehr Zufriedenheit, Wohlbefinden, Kreativität und Glück erhalten.

Nehmen Sie sich die Zeit für Shiatsu und fördern Sie Ihr körperliches, emotionales und soziales Wohlbefinden!

Für wen eignet sich Shiatsu?

Shiatsu richtet sich an Menschen, die erkannt haben, dass sie mehr Eigenverantwortung für ihre

Gesundheit übernehmen wollen und aktiv an ihrem Wohlbefinden mitgestalten möchten.

Shiatsu eignet sich für Menschen aller Altersstufen.

 

Die ausgleichende Wirkung von Shiatsu

– reguliert die Funktion des vegetativen Nervensystems (Atmung, Verdauung, Regeneration)

– fördert guten Schlaf

– stärkt das Immunsystem

– löst Muskelverspannungen

– unterstützt bei spannungsbedingen Kopf-, Muskel-, Gelenkschmerzen

– unterstützt bei Menstruationsbeschwerden

– fördert innere Balance und emotionale Ausgeglichenheit

– fördert Empatie und damit soziale Kompetenz

– fördert ihre Körperwahrnehmung

– weckt ihr Körper- und Selbstbewusstsein

– entfaltet ihr ihnen innewohnendes Potential

– regt inneres Wachstum, Entwicklung und Reifung an

– unterstützt in schwierigen Lebensphasen

– erleichtert Übergänge von einem Lebensabschnitt zum anderen (z.B. Pubertät, Menopause)

– unterstützt ihre Rekonvaleszenz

 

Shiatsu kann im Bedarfsfall den Besuch bei ihrem Hausarzt, Facharzt oder Psychotherapeuten nicht ersetzen!

Gerne unterstütze oder begleite ich Ihre ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung mit Shiatsu.

Geschichte des Shiatsu

Von den historischen Wurzeln zum heutigen Shiatsu

Eine Kurzdefinition von Shiatsu unter Fachleuten lautet: „Shiatsu ist eine japanische Methode mit chinesischem Hintergund und westlicher Interpretation“.

Jeder Kulturkreis dieser Erde kennt ursprüngliche Formen der Heilung und Schmerzlinderung mittels Berührung und Handauflegen. In Japans Frühgeschichte nannte man diese Behandlungsformen te-ate (jap.: te = Hand, ate = Berührung), in China nannte man sie Tuina-Anmo (chin.: Tui = Schieben, Streichen, Na = Greifen, Kneifen, An = Drücken, Mo = Reiben). Im 6. Jahrhundert n. Chr. wurde chinesisches Kulturgut und medizinisches Wissen vorwiegend von Mönchen über Korea nach Japan gebracht und verschmolz in der  Folge mit der japanischen Heilkunde (Kampo-Medizin). Aus dem chinesischen Tuina-Anmo entwickelte sich in Japan die energetische Ganzkörperbehandlung Anma. Das traditionelle Anma ist die eigentliche Wurzel des Shiatsu.

Nach einer 300-jährigen Abschottung in der Edo-Epoche (1600-1868) erzwang die amerikanische Flotte die Öffnung Japans gegenüber der westlichen Welt. Im Zuge der sogenannten Meiji-Restauration wurde in Japan seit 1969 die westliche Medizin eingeführt. Mit der zunehmenden Verbreitung der westlichen Medizin verlor die Kampo-Medizin ihre Bedeutung. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die therapeutische Anwendung von Anma in Japan weitgehend verschwunden.

Der Begriff „Shiatsu“ wurde 1919 von Tenkai Tamai geprägt und erstmals veröffentlicht. Er schuf diesen Begriff, um seine therapeutische Arbeit von der verbreiteten „Wellness“-Form des Anma abzugrenzen. Der Begriff Shiatsu erhielt zwischen 1920 und 1930 öffentliche Bekanntheit durch „das rote Buch“, einen Gesundheitsratgeber, der in Japan in hoher Auflage publiziert wurde.

Tokujiro Namikoshi (1905 – 2000) hatte östliche Massagetechniken wie Anma und Shiatsu bei Tenkai Tamai erlernt. Im Alter von 20 Jahren eröffnete er in Sapporo eine Shiatsu-Praxis. 1940 gründete er eine Shiatsu-Schule, das Japan Shiatsu College, in Tokyo. Die Kampo-Medizin und alle aus ihr entsprungenen Behandlungsformen, darunter auch Anmo und Shiatsu, wurde nach dem ersten Weltkrieg verboten.

Erst 10 Jahre später im Jahre 1955 wurde Shiatsu im japanischen Gesundheitsgesetz unter der Bezeichnung „Anma, inklusive Massage und Shiatsu“ aufgenommen und anerkannt. Im Rahmen von Regulierungsanpassungen erfolgte 1964 die Anerkennung von Shiatsu als eigenständige, von Anma unabhängige Terapieform durch das japanische Gesundheitsministerium.

Shizuto Masunaga (1925 – 1981) übte in den 70er Jahren einen revolutionierenden und prägenden Einfluss auf Shiatsu aus, indem er Shiatsu stark in der fernöstlichen Gesundheitslehre verankerte. Er verband fernöstliches Wissen mit Erkenntnissen von westlicher Medizin, Naturwissenschaft und Psychologie. Masunags´s Shiatsu kam unter dem Begriff „Zen-Shiatsu“ im Westen, also Amerika und später auch Europa, zu starker Verbreitung. Der Begriff „Zen“ drückt die Verbindung von Shiatsu mit daoistischen und buddhistischen Lehren und Erkenntniswegen aus.

Die Ausbreitung von Shiatsu in Europa beschleunigte sich in den 90er Jahren deutlich. Sie verlief in den einzelnen Ländern mit unterschiedlicher Geschwindigkeit, in Anhängigkeit er rechtlichen und gesellschaftlichen Situation. In Österreich ist Shiatsu seit 1999 ein anerkannter Beruf. Seit der Massage-Verordnung vom 28.01.2003 ist Shiatsu in Österreich als eigenständige Methode mit einem spezifischen Ausbildungscurriculum anerkannt und darf nur von Personen angewandt werden, die dieses Curriculum absolviert haben. Die Grundlage dazu bildet eine Shiatsu-Ausbildung gemäss den Richtlinien des Österreichischen Dachverbandes für Shiatsu.

Shiatsu ist in Österreich seit 2003 ein reglementiertes gesundheitsbezogenes Gewerbe der Innung „Fusspfleger, Kosmetiker und Masseure“.

(Text in Anlehnung an den Schweizer Shiatsu-Praktiker und Buchautor Peter Itin: „Shiatsu als Therapie“)